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Älter als die Universität
Das Psychologische Institut in Frankfurt
1905 – heute

EXPERIMENTELLE PSYCHOLOGIE IN FRANKFURT

Tachistoskop
Friedrich Schumann

FRIEDRICH SCHUMANN

(1863-1940)

leitete von 1910 bis 1929 das Institut für Psychologie in Frankfurt am Main. Er war Gründungsmitglied der „Gesellschaft für experimentelle Psychologie“ (später: „Deutsche Gesellschaft für Psychologie“) und Mitherausgeber der „Zeitschrift für Psychologie und Sinnesphysiologie“. Sein Laboratorium mit dem von ihm entwickelten Tachistoskop leistete einen großen Beitrag zur Entwicklung der Gestaltpsychologie, so forschte hier beispielsweise Max Wertheimer an der Bewegungswahrnehmung, von ihm als Phi-Phänomen benannt.

Max Wertheimer
Tachistoskop

TACHISTOSKOP
MIT ELEKTROMOTOR

Das von Schumann konstruierte Tachistoskop ist ein Gerät, das eine sehr kurze Darbietung von visuellen Reizen ermöglicht, wodurch subjektive Einflüsse auf die Wahrnehmung untersucht werden konnten. Ein Rad mit einer Schnurscheibe, die die untersuchten Objekte (z.B. Bilder) enthielt, wurde auf einer Achse gedreht, die von einem Elektromotor angetrieben wurde. Aufgrund der Einengung des Gesichtsfelds auf einen Spalt konnten die projizierten Objekte für die Versuchsperson, die durch das Fernrohr schaute, nur für eine genau messbare Zeit sichtbar gemacht werden. Nachbilder konnten durch intensives Licht, das über einen Spiegel in das Fernrohr gerichtet wurde, neutralisiert werden. Durch diese Versuchsapparatur war es zum Beispiel möglich, Phänomene im Bereich der vorbewussten bzw. präattentiven Wahrnehmung zu untersuchen.

Mit dem Tachistoskop untersuchte Schumanns Mitarbeiter Max Wertheimer das Phi-Phänomen, eine Scheinbewegung , die bei hoher Frequenz wechselnder, benachbart liegender optischer Reize wahrgenommen wird, z.B. die Rückwärtsbewegung von Speichen bei Kutschen. Heute wird die experimentelle Darbietung von Stimuli in der Wahrnehmungspsychologie vorwiegend von Computern übernommen.

VIELFALT UND BLÜTEZEIT DER GESTALTPSYCHOLOGIE

Max Wertheimer

MAX WERTHEIMER

(1880 – 1943)

der „geniale Anreger“*, begann 1910 gemeinsam mit Wolfgang Köhler und Kurt Koffka im Frankfurter Institut für Psychologie die Grundlagen der Gestaltpsychologie zu erarbeiten. 1912 habilitierte er mit seinen „Experimentellen Studien über das Sehen von Bewegung“, deren Erscheinen als Geburtsstunde der Gestalttheorie angesehen wird.

Köhler Affenexperimente

WOLFGANG KÖHLER

(1887 – 1967)

der „biopsychologisch engagierte Untersucher“*, war von 1910 bis 1913 in Frankfurt als Assistent von Friedrich Schumann tätig und diente dort u.a. als Versuchsperson für die Experimente Wertheimers. 1914 verließ er Deutschland, um auf Teneriffa die Anthropoidenstation der Preussischen Akademie der Wissenschaften zu leiten.

Wolfgang Köhler
Kurt Koffka

KURT KOFFKA

(1886 – 1941)

der „systematische Experimentator“*, 1910 bis 1911 ebenfalls als Assistent von Friedrich Schumann in Frankfurt tätig, traf dort auf Wertheimer und Köhler und führte mit diesen erste Diskussionen über die gerade entstehende Gestalttheorie.  1911 wechselte Koffka an die Universität in Gießen, später in die USA, wo er zu einem der eifrigsten Verfechter der Gestaltpsychologie wurde.

GESTALT, GEHIRN, PSYCHOTHERAPIE
EIN FRUCHTBARER AUSTAUSCH MIT DER MEDIZIN

Der „herausragende Neurologe und Neuro-pathologe“ *) Kurt Goldstein (1878 – 1965) war ab 1914 am Neurologischen Institut in Frankfurt tätig, wo er experimental-psychologische Methoden zur Untersuchung Hirnverletzter einsetzte und gemeinsam mit Adhémar Gelb, einem Gestaltpsychologen, den Grundstein moderner Neuropsychologie und -rehabilitation legte.“ 1921 gründete Goldstein gemeinsam mit Wertheimer, Köhler, Koffka und Gruhle die Zeitschrift „Psychologische Forschung“, die als zentrales Organ gestalttheoretischer Forschung gilt.

KURT GOLDSTEIN

(1878 – 1965)

Fritz Perls war gemeinsam mit Laura Perls und Paul Goodman ein Mitbegründer der Gestalttherapie (nicht zu verwechseln mit der Gestaltpsychologie oder -theorie). Nach seinem Medizinstudium und seiner Tätigkeit als Feldarzt absolvierte er eine psycho-analytische Ausbildung. 1926 arbeitete Perls als Assistenzarzt von Kurt Goldstein in Frankfurt und führte gemeinsam mit diesem Studien an hirnverletzten Soldaten durch. Goldstein war es auch, der Perls mit der Gestaltpsychologie – die großen Einfluss auf die Entwicklung der Gestalttherapie bekommen sollte – bekannt machte.

FRITZ PERLS

(1893 – 1970)

Perls, Goldstein, Gelb

ADHÉMAR GELB

(1887 – 1936)

Adhémar Gelb wurde Assistent am Psychologischen Institut der „Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften“, welche 1914 in die neu gegründete Frankfurter Universität eingegliedert wurde. Ab 1915 arbeitete er gemeinsam mit Kurt Goldstein in einem Militärlazarett und untersuchte dort hirnverletzte Soldaten. Nach seiner Habilitation 1919 wurde er 1924 zuerst außerordentlicher, ab 1929 ordentlicher Professor in Frankfurt und außerdem gemeinsam mit Max Wertheimer Direktor des Psychologischen Instituts. 1931 wechselte Gelb an die Universität Halle.